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Verwertungswege

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Die Wege des Altglases

Altglas ist ein vielfältiger Rohstoff. Weil sich Glas beliebig oft wieder einschmelzen lässt, eignet sich Altglas zur Produktion von Neuglas. Ökologisch und ökonomisch gesehen ist die Produktion von neuen Glasverpackungen der sinnvollste Verwertungsweg für Altglasscherben. Alternativ wird aus Altglas sogenannter Schaumglasschotter hergestellt, der im Hoch- und Tiefbau Anwendung findet.

Die rund 340'000 Tonnen Altglas, die Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten jährlich sammeln (Stand 2016), werden auf folgende Arten verwertet:

  • Der grösste Anteil (rund 71 Prozent) wird farbgetrennt gesammelt. Das gesammelte Altglas wird in die einzige Schweizer Glashütte in Saint-Prex geliefert oder ins grenznahe Ausland exportiert, wo aus den Scherben wieder neue Glasverpackungen entstehen.
  • Rund 28 Prozent wird farbgemischt gesammelt und in Dagmersellen zu so genanntem Schaumglasschotter verarbeitet, der als hochwertiges Dämmmaterial in der Bauindustrie dient. Farbgemischte Scherben werden - wie auch farbgetrennte Scherben - ins grenznahe Ausland exportiert, um daraus wieder neue Glasverpackungen herzustellen.
  • 1 Prozent wird anders verwertet und wird zum Beispiel als ganze Flaschen gesammelt. Diese werden gewaschen und wieder frisch abgefüllt. Nur noch ein verschwindend kleiner Teil wird zu Sand gemahlen und als Baustoff genutzt.
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Aus Glas wird Glas

Glas ist ein natürlicher Werkstoff. Er besteht im Wesentlichen aus Quarzsand, Soda, Kalk, Dolomit und Feldspat. Glas kann beliebig oft wieder eingeschmolzen werden, ohne dass Qualitätsverluste auftreten. Deshalb ist Altglas ein idealer Rohstoff für die Produktion von neuen Glasverpackungen für Getränke, Konserven oder Kosmetika.
Grünglas kann bis zu 100 Prozent aus Altglas hergestellt werden, Weissglas bis zu 60 Prozent und Braunglas bis zu 70 Prozent. Altglas ist zwar kaum billiger als die primären Rohstoffe zur Glasherstellung, aber das Einschmelzen der Glasscherben braucht rund 25 Prozent weniger Energie. Bevor das Altglas aus den Sammelcontainern geschmolzen werden kann, muss es von Fremdstoffen befreit und aufbereitet werden.

Heisse Temperaturen

In der Schmelzwanne wird das Altglas zusammen mit den neuen Rohstoffen bei Temperaturen bis zu 1580 Grad Celsius geschmolzen. Die glühende, zähflüssige Glasschmelze gelangt zuerst in die Vorform und anschliessend in die Fertigform, wo sie mit Druckluft zu gebrauchsfertigen Glasbehältern ausgeblasen wird. Greifarme stellen die leuchtend orange-gelben Flaschen auf ein Förderband. Nun wandern die Flaschen auf dem Förderband in den so genannten Kühlofen. Hier werden sie behutsam gekühlt und anschliessend mit einem speziellen Schutzspray überzogen, um sie vor Kratzern zu schützen und die Bruchfestigkeit zu erhöhen. Danach werden die Glasverpackungen mehrfach optisch, mechanisch und elektronisch auf Risse, Einschlüsse, Verformungen oder sonstige Fehler geprüft. Eine festgelegte Zahl wird zudem vor der Auslieferung im Labor mit physikalischen und chemischen Methoden noch genauer kontrolliert.

Glashütte Saint-Prex

In der Schweiz gibt es nur noch eine Glashütte, die Glasflaschen produziert. Der 1911 gegründete Betrieb in Saint-Prex, inmitten des Genfersee-Weingebiets, ist heute auf die Herstellung von Glasverpackungen in den Farben Grün, Olive, Feuille-morte (braungrün) und Cuvée (schwarzgrün) spezialisiert und fertigt vornehmlich Flaschen für inländische Wein-, Spirituosen- und Bierproduzenten. Im 24-Stunden-Betrieb werden pro Tag bis zu einer Million Flaschen produziert. Jede Flasche besteht zu 80 Prozent aus Altglas. Dieser Anteil liegt deutlich unter 100 Prozent, weil die Getränkeindustrie immer feiner abgestufte Farbtöne verlangt. Die Glashütte in Saint-Prex, die zur Vetropack-Gruppe gehört, verarbeitet jährlich über 80'000 Tonnen Scherben oder rund 26 Prozent des Schweizer Altglases.

Export in europäische Glashütten sinnvoll

Über 60 Prozent des Schweizer Altglases werden in Glaswerke im nahen Ausland exportiert. Da stellt sich die Frage, ob es ökologisch sinnvoller ist, das Altglas lokal zu versanden oder über weite Wege zu transportieren, um Neuglas herzustellen. Eine Ökobilanz kommt zu folgendem Resultat: Das Einschmelzen der Scherben zur Produktion von Neuglas ist bis zu einer Transportdistanz von 1700 km ökologisch sinnvoller als das Versanden. Bei den heute üblichen Transportdistanzen von unter 250 km bis zur Glashütte ist die Umweltbelastung durch das Einschmelzen rund 40 bis 50 Prozent geringer als bei der Verwertung durch Versanden – auch wenn Letzteres deutlich kürzere Transportwege bedeutet.

Misapor

Altglas wird zu Dämmstoff

Immer mehr gemischte Altglasscherben werden zu so genanntem Schaumglasschotter weiter verarbeitet. Zwei Schweizer Werke produzieren diesen vielfältig einsetzbaren Baustoff, der durch seine Leichtigkeit bei gleichzeitig hohen Dämmwerten besticht.

Verwendung

Die Einsatzgebiete sind vielfältig: Im Hochbau dient der Baustoff vor allem als Wärmedämmung gegen das Erdreich und auf Flachdächern. Im Tiefbau eignet er sich als Sicker- oder Wärmedämmschicht oder als Schüttung bei schwierigen Bodenverhältnissen. Bei weichem Untergrund, der zu Absenkungen neigt, dient Schaumglasschotter als leichter Materialersatz für schweren Aushub. Dabei ersetzt man schweren Aushub durch leichten Schaumglasschotter. Darauf folgt der normale Strassenaufbau. Dank dem Schaumglasschotter spart man Gewicht, sodass keine Pfähle mehr nötig sind, um den Boden vor Absenkungen zu schützen. Eine neue Entwicklung des Schaumglasschotter-Herstellers Misapor ist der Dämmbeton: Mischt man Schaumglasschotter mit Zement, entsteht ein Beton, der seine herkömmlichen statischen Eigenschaften behält – er bleibt druckfest und tragfähig. Durch den Schaumglasschotter wird der Beton aber viel leichter und erreicht gute Dämmwerte. Somit sind zusätzliche Wärmedämmschichten überflüssig, was monolithische Bauten mit Sichtbeton ermöglicht. Der Dämmbeton fungiert auch als Wärmespeicher und sorgt für ein angenehmes Raumklima.

Herstellung

Der Schaumglasschotter wird zu fast 100 Prozent aus Recyclingglas hergestellt. Die Altglasscherben werden gemahlen, mit einem rein mineralischen „Backpulver“ versetzt und anschliessend in einem Blähofen eine Stunde lang bei Temperaturen bis zu 950 Grad Celsius gebacken. Dabei entsteht ein leichtes, lavasteinartiges Material, das durch den anschliessenden schnellen Abkühlprozess auf Schottergrösse bricht. Die grosse Menge eingeschlossener Luft ergibt einen sehr guten Dämmwert bei gleichzeitig hoher Druckfestigkeit. Weil die Luftkammern in sich geschlossen sind, nehmen die einzelnen Schottersteine kein Wasser in sich auf. Zwischen den Schottersteinen kann Wasser aber ungehindert durchsickern. Das Material hat weitere Eigenschaften, die beim Bauen äusserst wünschenswert sind: Es ist feuer- und hitzebeständig und resistent gegen Salze, Säuren, Bakterien und weitere Umwelteinflüsse.